
Das ab 1421 errichtete Rainer Schloss war Sitz des herzoglichen Pflegers, der strenge Berichtspflicht nach München hatte; Westflügel und Mittelteil gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Foto: Adalbert Riehl
Das große Interesse an den sieben Vorträgen nahm der Freundeskreis zum Anlass, die Reihe in einem Buch vorzustellen. Herausgeber und Mitautor ist der Vereinsvorsitzende Markus Würmseher. Die Buch-Beiträge beschäftigen sich mit Einzelthemen zur mittelalterlichen Stadt. Rain ist dabei nicht Statistin unter den Wittelsbacher Gründungen. Die vielschichtige Bedeutung resultiert aus seiner Grenzlage, dem durchdachten Stadtgrundriss, der Gebeinhaus-Forschung, berühmten Persönlichkeiten oder dem einzigartigen Naturraum am nördlichen Lech. Das Buch vergleicht mit vielen anderen Wittelsbacher-Stadtgründungen und ist reich illustriert. Der 1996 gegründete Freundeskreis weist mit dem Band auch auf seine Unterstützung der Stadt Rain bei 20 denkmalpflegerischen Projekten und deren Wichtigkeit für die kulturelle Identität hin.
Markus Würmseher, versiert mit Studium in Architektur und Kunstgeschichte, nimmt den Leser mit „Die Stadt Rain zur Zeit der mittelalterlichen Wittelsbacher“ auf eine Zeitreise von der Gründungsgeschichte bis zur Zäsur durch den Bayerischen Erbfolgekrieg 1503/05. Wolfgang Wallenta zeigt „Die Expansionsbestrebungen der Wittelsbacher nach Westen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert“. Im Rainer Umfeld sind es insbesondere Neuburg (1247) und die in der männlichen Linie ausgestorbene Grafschaft Graisbach (1342) in den Machtbereich gelangt. Der emeritierte Professor Wilhelm Liebhart, der an der Hochschule Augsburg lehrte, beleuchtet „Stadt und Markt im Rainer Winkel: Rain und Pöttmes“ und spannt damit den Bogen über den ehemaligen Gerichtsbezirk.
Professor Klaus Wolf bekleidet eine Lehrprofessur an der Universität Augsburg und wirkte bei der Landesausstellung 2020 mit. Unter dem Titel „CIVITAS NOSTRA“ geht er auf die Wittelsbacher und das literarische Leben ihrer Städtegründungen und hier besonders auf Rain ein. Stadtarchivarin Edith Findel zeigt „Die Entwicklung der Ansichten der Stadt Rain“ in Wort und Bild auf. Die Entwicklung führt von realitätsnahen Zeichnungen der Stadtansicht ab dem 16. Jahrhundert über Vogelschaubilder bis zu vermessenen Darstellungen.
Mehrfach referierte Albert Zink, jetzt Leiter des Bozener Instituts für Mumienforschung, bereits in Rain. Er war 1998 maßgeblich an der Untersuchung der Gebeine aus dem Karner der Allerheiligenkapelle beteiligt und schreibt im neuen Buch über „Nachweis von Infektionskrankheiten im Gebeinhaus von Rain“.
Geologe Detlef Kurth, im Geoinformationsdienst der Bundeswehr tätig, stellt die „Wasserversorgung und -nutzung in den Siedlungen und Städten zu Zeiten der Wittelsbacher“ dar und geht besonders auf Friedberg, Aichach und Rain ein. Eberhardt Pfeuffer, promovierter Arzt und leidenschaftlicher Naturforscher, richtet mit „Der Nördliche Lech – ein besonderer Fluss“ seinen Blick speziell auf den sogenannten „unteren Lech“ – mit dem oft das Schicksal der Stadt verbunden war und den er als europaweit einzigartigen Hotspot der Biodiversität schildert.
Die Buchpräsentation ist am Freitag, 27. September, 19 Uhr, im „Treffpunkt am Bayertor“. Sprechen werden Erster Bürgermeister Karl Rehm, Landrat Stefan Rößle, Verleger Josef Fink und Herausgeber Dr. Markus Würmseher. Themen der Fachvorträge sind „Aspekte zum herzoglichen Schloss in Rain“ (Prof. Dr. Gisela Drossbach, Universität Augsburg) und „Heimat und Regionalkultur“ (Bezirksheimatpfleger Christoph Lang). Die „Lech-Paartal-Musi“ Bayerdilling/Rain umrahmt. „Rain am Lech – Stadt. Land. Fluss“ hat 184 Seiten mit 100 Abbildungen. Es kostet 24,90 Euro und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-95976-522-0.